Verhalten auf großen Flughäfen – mein Leitfaden für PPL-Piloten

Respekt vor der ersten Kontrollzone ist normal

Wer seine Ausbildung an einem kleinen Platz mit reiner „Info“- oder „Radio“-Frequenz gemacht hat, kennt das Gefühl: Der erste Funkspruch in einer Kontrollzone kann ordentlich Respekt einflößen. Dafür gibt es die BZF-Ausbildung, in der genau das geübt wird – trotzdem bleibt der erste echte Einflug in eine Kontrollzone ein aufregender Moment.

Bei uns in Stade ist der Einstieg vergleichsweise einfach, weil wir mit dem Flughafen Hamburg einen Nachbarn haben, dessen Tower-Lotsen sehr entgegenkommend und unkompliziert sind. Wer aber auch nach der Ausbildung noch Respekt vor Kontrollzonen hat, dem empfehle ich die Auffrischungsschulungen der DFS. Die finden regelmäßig statt, man trifft dort die echten Tower-Lotsen, kann teilweise sogar den Tower besuchen und übt den Ablauf praktisch. Das nimmt erstaunlich viel von der Unsicherheit.

Mehrere Frequenzen, eine klare Reihenfolge

Was einen großen Flughafen vom Heimatplatz unterscheidet, ist die Zahl der beteiligten Frequenzen: Apron, Boden, Turm – je nach Flughafen auch mehr. Wer weiß, wen man zuerst ruft und wann man die Frequenz wechselt, kommt entspannt durch. Wer es nicht weiß, kann schnell durcheinanderkommen.

Mir ist das bei einem meiner ersten Flüge zum Flughafen Bremen fast passiert: Am Rollhaltepunkt angekommen, wollte ich sofort auf Turm-Frequenz wechseln – dabei hatte ich vergessen, dass man sich zunächst bei der Bodenstation meldet, die einen dann an den Turm weiterleitet. Mein Fluglehrer hat es rechtzeitig bemerkt. Seitdem gehört die Frequenzfolge für mich zur festen Vorbereitung jedes Anflugs auf einen größeren Platz.

Rollen auf Verkehrsflugplätzen: gut zuhören, nicht auf Verdacht rollen

Auf Verkehrsflughäfen gibt es deutlich mehr Rollbahnen als am Heimatplatz, und Taxi-Anweisungen kommen oft in einem Stück. Am besten hat man die Karte des Flughafendiagramms schon während der Flugvorbereitung angeschaut und sich überlegt, in welche Richtung man wahrscheinlich geschickt wird.

Das kann aber auch nach hinten losgehen: Bei einem Flug nach Malmö hatten wir uns gedanklich auf einen bestimmten Parkposition vorbereitet – und genau deshalb die Lotsin missverstanden, als sie uns tatsächlich woanders hinschickte. Wir sind prompt in die falsche Richtung gerollt. Zum Glück ließ sich unsere kleine Maschine problemlos auf dem Taxiway wenden. Die Lehre daraus: immer genau zuhören, was tatsächlich gesagt wird – nicht das rollen, was man erwartet hat. Man will schließlich nicht plötzlich einem Airbus direkt gegenüberstehen.

Vorbereitung: AIP lesen und die eigene Platzrunde mitdenken

Zur Flugvorbereitung für einen großen Flughafen gehört mehr als der Blick aufs Wetter. Die AIP des Zielflughafens lohnt sich in jedem Fall – dort stehen PPR-Regelungen und besondere Anflugverfahren. Wichtig ist außerdem, nicht nur den Einflugpunkt in die Kontrollzone zu kennen, sondern sich auch zu überlegen, wie es danach weitergeht. Viele große Flughäfen haben keine ausgewiesene Platzrunde für die allgemeine Luftfahrt – die muss man sich selbst zurechtlegen.

Dabei steht die eigene Sicherheit an erster Stelle. Gleichzeitig sollte man damit rechnen, von den Lotsen zu einem „Short Final“ aufgefordert zu werden – was bedeuten kann, dass der Queranflug praktisch quer zur Landebahnschwelle liegt. Es lohnt sich, sich vorher zu überlegen, wo der eigene Aufsetzpunkt liegen soll – idealerweise so, dass man die Bahn danach entspannt und zügig verlassen kann. Wer direkt hinter der Schwelle aufsetzt und dann 500 Meter bis zum nächsten Taxiway rollt, während hinter einem schon die nächste Boeing im Anflug ist, bringt alle Beteiligten ins Schwitzen.

Tanken auf dem Großflughafen: gleich nach der Landung erledigen

Auf einem großen Flughafen zu tanken ist meist teuer, deshalb macht man es eher selten. Falls es doch nötig ist: am besten sofort nach der Landung. Der Ablauf läuft in der Regel so, dass man der Rollkontrolle mitteilt, dass man tanken möchte, woraufhin ein Fuel-Truck gerufen wird – auf den man dann wartet. Das kann ohne Weiteres 30 Minuten oder länger dauern.

Wer für den Abflug ein bestimmtes Wetterfenster nutzen will oder bereits einen Flugplan aufgegeben hat, dem treibt diese Wartezeit unnötig die Nerven hoch. Deutlich entspannter: den Fuel-Truck direkt nach der Landung kommen lassen und die Wartezeit für die Nachbereitung des Fluges und das Führen des Flugbuchs nutzen.

Abfertigung und Zeitmanagement vor dem Abflug

Auch die Abfertigung vor dem Abflug kann zeitintensiv sein. An vielen großen Flughäfen geht es nicht einfach zu Fuß zum Flugzeug – meist führt der Weg durch eine Sicherheitskontrolle mit Scan, anschließend bringt einen häufig ein Bus zur Maschine. Das alles braucht Zeit, die man einplanen sollte. Das gilt übrigens auch häufig für das Bezahlen der Lande- und Standgebühren.

Ein Punkt, der leicht übersehen wird: die Pilotenlizenz nicht im Flugzeug liegen lassen. Ohne sie an der Sicherheitskontrolle kann es unangenehme Diskussionen geben.

Ergänzende Tipps aus der Pilotencommunity

Neben den eigenen Erfahrungen hier noch ein paar Punkte, die unter Piloten häufig zum Thema genannt werden:

  • ATIS vor dem ersten Funkspruch einholen und den aktuellen Info-Buchstaben gleich im ersten Anruf nennen – das erspart der Kontrolle Rückfragen.
  • Exakte Standard-Phraseologie und sauberes Readback nutzen. An großen Plätzen ist die Funkfrequenz stark ausgelastet, jede unnötige Rückfrage kostet allen Beteiligten Zeit.
  • Wirbelschleppen-Abstand im Kopf behalten, besonders bei der Landung hinter einer Maschine der schweren Gewichtsklasse.
  • Den Ablauf bei Funkausfall kennen (Squawk 7600), bevor man in die Kontrollzone einfliegt.
  • NOTAMs für den Zielflughafen vorher prüfen – gesperrte Rollwege, Bauarbeiten oder geänderte Verfahren stehen selten in der allgemeinen Vorbereitung, aber genau dort.

Fazit

Ein großer Flughafen ist kein Hexenwerk – aber er verzeiht Unvorbereitetheit weniger als der Heimatplatz. Wer sich vorher mit Frequenzfolge, Rollwegen, AIP und Ablauf vertraut macht und beim Funk genau zuhört statt zu erwarten, kommt entspannt an. Und wie so oft in der fliegerischen Praxis gilt: Die beste Vorbereitung nimmt nicht die Aufregung komplett, aber sie macht sie beherrschbar.

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