Das mulmige Gefühl über den Wolken
Geht es dir auch so: Du fliegst an einem schönen Sommertag raus zu den Inseln oder zu einem größeren Fly-In – und auf einmal hast du dieses mulmige Gefühl, weil gerade richtig viel Metall um dich herum unterwegs ist? Mir geht es so, vor allem, wenn ich gerade noch jemanden auf meinem GPS gesehen habe, der eigentlich direkt vor mir sein müsste, und der dann plötzlich verschwunden ist.
Um dieses Gefühl etwas abzumildern, beschäftige ich mich gerade intensiv mit Kollisionswarnsystemen. Zwei Namen fallen dabei ständig: FLARM und SafeSky. Ich nutze aktuell SafeSky, bin aber ehrlich gesagt selbst noch unentschlossen, ob ich dabei bleibe oder aufrüste. Deshalb hier mein Vergleich – so nüchtern und faktenbasiert wie möglich.

Wie SafeSky funktioniert
SafeSky ist zunächst eine kostenlose App fürs Handy oder Tablet. Man teilt seine eigene Position und bekommt im Gegenzug Verkehrsinformationen von anderen SafeSky-Nutzern sowie – über Schnittstellen – von mehr als 15 weiteren Navigations-Apps und Hardware-Systemen. Die kostenlose Version funktioniert bereits ohne Zusatzgerät, für erweiterte Funktionen wie Integration mit Navigations-Apps, elektronische Sichtbarkeitsgeräte, SmartRadar und Wetterdaten gibt es SafeSky Premium für 39,99 € im Jahr.
Der große Schwachpunkt der reinen App-Lösung: Sie hängt vom Mobilfunknetz ab. Genau das ist mein Problem – ab etwa 3000 Fuß wird der Empfang lückenhaft, zwischen 4000 und 6000 Fuß ist meist gar nichts mehr da.
Für dieses Problem gibt es den Aero Tracker, ein Zusatzgerät von AVIONIX Engineering mit SafeSky Inside®. Es kombiniert zwei Wege: Funkempfang auf 868 MHz und 1090 MHz (damit werden ADS-B, Mode-S, ADS-L, FLARM, OGN, FANET, PilotAware und weitere Quellen empfangen) plus die gewohnte SafeSky-Verbindung über Mobilfunk. Das Gerät kostet je nach Ausstattung zwischen 750 € und 860 € (netto, zzgl. Versand) – dazu kommt ein SafeSky-Abo, das die Mobilfunk-Anbindung bereitstellt: „Connect Europe“ für 79,99 €/Jahr (41 Länder) oder „Connect Europe Plus“ für 99 €/Jahr (54 Länder, mehr Datenvolumen). Der FLARM-Empfang beim Aero Tracker erfordert zusätzlich eine separat kostenpflichtige Lizenz.
Wie FLARM / PowerFLARM Flex funktioniert
FLARM arbeitet komplett anders: Jedes Gerät berechnet über GPS den eigenen Flugweg und sendet ihn per Digitalfunk. Andere FLARM-Geräte in der Nähe empfangen dieses Signal, vergleichen den Flugweg mit dem eigenen und warnen nur, wenn tatsächlich ein Konflikt droht. Über 85.000 Luftfahrzeuge sind laut FLARM bereits ausgerüstet – das System ist besonders im Segelflug und der Allgemeinen Luftfahrt weit verbreitet.
Das aktuelle Consumer-Gerät ist der PowerFLARM Flex: ein mobiles, komplett antennenloses Gerät mit hybridem Display (LED-Richtungsanzeige plus 1,47-Zoll-LCD), das einfach mit Saugnapf an der Haube oder auf dem Instrumentenbrett montiert wird. ADS-B-Empfang (1090 MHz) ist standardmäßig dabei, dazu Mode-C-Unterstützung. Über WLAN und Bluetooth LE lässt es sich mit EFB-Apps wie SkyDemon koppeln. Der Akku (Li-Ion, Format 18650) hält bis zu 10 Stunden und lässt sich im Flug wechseln. Praktisch für Vereine: Bis zu 10 Flugzeug-Profile lassen sich speichern, sodass ein Gerät zwischen mehreren Maschinen wandern kann.
Preislich liegt der PowerFLARM Flex je nach Händler und Ausstattung zwischen etwa 1.570 € und 1.640 € – deutlich mehr als der SafeSky Aero Tracker, dafür ohne laufendes Abo.
Der direkte Vergleich
| Kriterium | SafeSky (App + Aero Tracker) | PowerFLARM Flex |
|---|---|---|
| Grundfunktion | App kostenlos, Zusatzgerät optional | Eigenständiges Hardware-Gerät |
| Datenquellen | SafeSky-Netzwerk + Funk (ADS-B, Mode-S, ADS-L, FLARM, OGN, FANET u. a.) über Aero Tracker | FLARM-Funk + ADS-B/Mode-C, FLARM-Empfang optional gegen Aufpreis |
| Unabhängig vom Mobilfunk | Nur mit Aero Tracker (Funkteil), App allein braucht Netz | Ja, komplett funkbasiert |
| Anschaffung | App gratis, Premium 39,99 €/Jahr, Aero Tracker 750–860 € | ca. 1.570–1.640 € |
| Laufende Kosten | SafeSky-Abo 79,99–99 €/Jahr für Mobilfunk-Anbindung | Keine |
| Integration | Eigene App, Drittanbieter-Apps über Schnittstelle | WLAN/Bluetooth zu SkyDemon & anderen EFBs |
| Verbreitung | ca. 75.000 Piloten, 45.000 Luftfahrzeuge in der Community | über 85.000 ausgerüstete Luftfahrzeuge |
Mein persönliches Fazit
Beide Systeme lösen mein eigentliches Problem – die Empfangslücke über 3000 bis 4000 Fuß – auf unterschiedliche Weise. Der Aero Tracker bleibt bei meiner gewohnten SafeSky-Oberfläche und ist in der Anschaffung günstiger, kostet dafür dauerhaft ein Abo. Der PowerFLARM Flex ist teurer in der Anschaffung, dafür einmalig, funkbasiert und unabhängig von Mobilfunknetz oder Abo-Laufzeit – und profitiert von der großen installierten FLARM-Basis, gerade unter Segelfliegern und in der Vereinsszene.
Ehrlich gesagt bin ich nach dieser Recherche nicht schlauer als vorher, was meine eigene Entscheidung angeht – aber deutlich klarer darüber, worauf es ankommt: Willst du bei deinem bestehenden Ökosystem bleiben und einmal jährlich zahlen, oder einmal mehr investieren und dafür kein Abo mehr im Kopf haben?
Kleine Randnotiz zum Schluss: Auf der FLARM-Webseite findet sich ein Erfahrungsbericht von Klaus Künzel – vielen als „Airfool“ auf YouTube bekannt, Ultraleichtpilot mit einer Vorliebe für die Ostfriesischen Inseln. Genau der Kollege, den ich schon in meinem Newsletter zur Wetterplanung nach Föhr erwähnt hatte. Kleine Fliegerwelt.
Nutzt du FLARM, SafeSky oder ein anderes System? Schreib mir gerne – gerade bei diesem Thema würde mich eure Erfahrung wirklich interessieren.