Vor einiger Zeit habe ich hier auf pilotenbedarf.de einen Guide geschrieben, der die Frage beantwortet, welche Flightbag die richtige für dich ist. Dort geht es um Taschentypen, Flugstile und eine allgemeine Packliste. Seitdem kam immer wieder dieselbe Rückfrage: Und was hast du selbst drin?
Deshalb heute der Blick in meine eigene Tasche. Ich zeige euch hier kein Idealbild oder ein Liste mit 40 Teilen, sondern das, was tatsächlich bei jedem Flug mitkommt. Und vor allem: warum es genau dort liegt, wo es liegt.
Vom Wildwuchs zum System
Lange Zeit habe ich meine Flightbag gepackt wie viele andere auch. Alles rein, Hauptsache es ist dabei. Headset obendrauf, Kabel irgendwo dazwischen, Flugbuch in der Ecke, die Sonnenbrille in irgendeiner Seitentasche, die ich beim nächsten Flug erst suchen musste.
Solange ein zweiter Pilot oder ein Fluglehrer neben mir saß, fiel das kaum auf. Einer fliegt, der andere kramt. Das änderte sich, als ich mehr und mehr allein unterwegs war. Die Tasche steht dann auf dem rechten Sitz oder im Fußraum daneben, und alles, was ich während des Flugs brauche, muss ich mit einer Hand und ohne langen Blick nach unten finden. Wer im Reiseflug schon mal ein Ladekabel aus einem Knäuel aus Headsetkabel, Kniebrettgummi und Kopfhörern ziehen wollte, weiß, wie schnell man dabei die Höhe oder den Kurs aus den Augen verliert.
Seitdem packe ich strategisch. Die Grundidee ist einfach: Jede Kategorie bekommt ein eigenes Fach, und jedes Teil liegt immer am selben Ort. Dann weiß ich blind, wohin ich greifen muss.
Die Tasche: Design4Pilots CrossCountry
Meine Flightbag ist die Design4Pilots CrossCountry. Für mein System sind zwei Eigenschaften wichtig.
Erstens die vielen einzelnen Staufächer. Ein Packsystem funktioniert nur, wenn die Tasche genug getrennte Bereiche hat. Eine Tasche mit einem großen Fach und zwei Netzen zwingt einen fast dazu, wieder alles zusammenzuwerfen.
Zweitens das große Hauptfach. Dort passt das Headset rein, ohne gequetscht zu werden, und daneben ist noch Platz für die größeren Teile. Das wird später noch wichtig, denn dieses Fach hat bei mir eine Doppelfunktion.
Das Hauptfach: alles, was ich vor dem Start brauche
Ins Hauptfach kommt alles, was ich beim Aufrüsten des Flugzeugs in die Hand nehme. Ich öffne die Tasche einmal, nehme die Teile nacheinander raus und baue sie ein.
Headset: Lightspeed Delta Zulu
Das wichtigste Teil liegt ganz oben: mein Lightspeed Delta Zulu. Es ist ein aktives Headset mit Geräuschunterdrückung, und damit braucht es Strom. Das hat Folgen für die restliche Tasche, dazu gleich mehr beim Kabelfach.
Warum es im Hauptfach liegt und nicht in einer eigenen Hülle irgendwo seitlich: Es ist das erste, was ich nach dem Einsteigen brauche, und das größte Teil. Liegt es oben, muss ich nichts anderes herausräumen, um dranzukommen.
Handy-Halterung: RAM Mount X-Grip
Direkt daneben liegt meine RAM Mount X-Grip. Damit befestige ich das Handy an der Scheibe. Früher bin ich mit Tablet geflogen. Seit ich vor allem Aquila fliege, hat sich das geändert. Im Cockpit ist schlicht weniger Platz, und ein Tablet auf dem Knie oder an der Scheibe war mir dort zu groß.
Also habe ich mich daran gewöhnt, nur mit dem Handy als Navigationshilfe zu fliegen. Ich hatte erwartet, dass mir der große Bildschirm fehlen würde. Tatsächlich funktioniert das wunderbar. SkyDemon läuft auf dem Handy genauso zuverlässig, und durch die feste Halterung an der Scheibe habe ich das Display im Blickfeld, ohne den Kopf weit senken zu müssen.
Wer überlegt, vom Tablet aufs Handy umzusteigen: Probier es auf einem bekannten Flug aus, bevor du es auf einer neuen Strecke machst. Die kleinere Darstellung braucht ein paar Flüge Gewöhnung.
Kniebrett: gerade im Wartestand
Ebenfalls im Hauptfach liegt mein Kniebrett. Ehrlich gesagt nutze ich es momentan immer seltener. Zeiten, Frequenzen und Notizen logge ich inzwischen über SkyDemon auf dem Handy, und auf meinen VFR-Flügen fehlt mir das Kniebrett dabei kaum.
Rausnehmen werde ich es trotzdem nicht. Ich plane bald mit dem IFR-Flugtraining anzufangen, und dort werde ich es für Clearances definitiv mehr brauchen. Eine Freigabe mit Route, Höhe, Squawk und Frequenz schreibe ich lieber auf Papier mit, als sie in eine App zu tippen. Das Kniebrett wird also vermutlich bald wieder deutlich mehr Arbeit bekommen.
Kamera: Insta360 X4
Das letzte große Teil im Hauptfach ist meine Insta360 X4. Sie liegt dort, weil ich sie beim Aufsatteln des Flugzeugs direkt mit montiere. Läge sie in einer Seitentasche, würde ich sie in der Hälfte der Fälle vergessen oder erst anbauen, wenn der Motor schon läuft.
Die Seitenfächer: jedes mit einer festen Aufgabe
Die Seitenfächer sind bei mir nach Themen sortiert. Das ist der Kern des ganzen Systems.
Das Stromfach
Eine Seitentasche gehört komplett dem Thema Strom. Dort liegen das Ladegerät und gegebenenfalls Ersatzbatterien fürs Delta Zulu. Außerdem die Ladekabel für meine Handys, die ich im Flugzeug über den Design4Pilots CO-Charger lade.
Die Regel dafür ist streng: Alles, was mit Kabeln und Stromversorgung zu tun hat, landet in diesem einen Fach und nirgendwo sonst. Der Vorteil zeigt sich genau dann, wenn es darauf ankommt. Meldet das Headset einen niedrigen Akkustand oder das Handy fällt unter 20 Prozent, greife ich in genau ein Fach und habe, was ich brauche. Ich muss nicht überlegen, wo das Kabel diesmal gelandet ist.
Gerade wenn man mit dem Handy navigiert, ist dieses Fach wichtig. Das Handy ist dann Navigationsgerät, Logbuch und Kollisionswarner in einem. Ein leerer Akku ist kein Komfortproblem mehr.
Das Papierfach
In einer weiteren Seitentasche steckt mein Flugbuch in der Design4Pilots Flugbuchhülle. In der Hülle sind auch alle meine Papiere. Das ist für mich das wichtigste Fach der ganzen Tasche, denn es muss bei jedem Flug dabei sein. Ohne Lizenz und Medical fliege ich nicht los, und auf größeren Plätzen will die Sicherheitskontrolle auch mal die Lizenz sehen.
Dass Flugbuch und Papiere zusammen in einer Hülle stecken, hat einen einfachen Grund: Ich muss nur an ein Teil denken. Nehme ich das Flugbuch mit, sind die Papiere automatisch dabei.
Das Kleinkram-Fach
Ein drittes Fach ist für die Dinge reserviert, die man selten braucht, aber dann wirklich. Bei mir sind das:
- eine Ersatz-Sonnenbrille, falls die erste im Hangar liegt oder kaputtgeht
- eine zusätzliche Cap, für Mitflieger oder lange Tage in der Sonne
- zwei Warnwesten für kontrollierte Plätze
Die Warnwesten sind ein gutes Beispiel dafür, warum es sich lohnt, an Mitflieger zu denken. Auf vielen Verkehrsflughäfen ist eine Warnweste auf dem Vorfeld Pflicht. Habe ich nur eine dabei und jemand fliegt mit, steht einer von uns ohne da. Deshalb zwei.
Der Trick mit dem leeren Hauptfach
Jetzt kommt die Doppelfunktion des Hauptfachs ins Spiel. Sobald Headset, Halterung, Kamera und eventuell das Kniebrett im Flugzeug sind, ist das Hauptfach während des Flugs meistens leer.
Diesen Platz nutze ich für Essen und Trinken. Wasserflasche und ein Snack kommen ins Hauptfach, und die Tasche steht neben mir. So liegt alles griffbereit und fliegt bei Turbulenz nicht durch die Kabine. Eine lose Wasserflasche, die bei der Landung unter die Pedale rollt, ist kein Detail, das man unterschätzen sollte.
So baust du dein eigenes Packsystem
Mein System passt zu meiner Fliegerei: viel allein oder mit Familie unterwegs, meist VFR, kurze bis mittlere Strecken, Aquila mit wenig Platz. Deine Tasche wird anders aussehen. Das Prinzip lässt sich aber übertragen.
Trenne nach dem Zeitpunkt, zu dem du etwas brauchst. Was du beim Aufrüsten am Boden brauchst, gehört an eine andere Stelle als das, was du im Flug brauchst. Bei mir ist das Hauptfach das Aufrüst-Fach und danach das Verpflegungsfach.
Gib jeder Kategorie genau ein Fach. Strom, Papiere, Kleinkram. Sobald ein Kabel mal ins Papierfach wandert, ist das System schon halb kaputt.
Pack für einhändigen Zugriff. Setz dich mit gepackter Tasche ins Flugzeug, stell sie dorthin, wo sie im Flug steht, und probier aus, ob du mit einer Hand an Ladekabel, Wasser und Sonnenbrille kommst, ohne hinzuschauen.
Miste regelmäßig aus. Mein Kniebrett ist das beste Beispiel. Manche Teile brauchst du eine Zeit lang kaum, andere werden wichtiger, wenn sich deine Fliegerei ändert. Ein Blick alle paar Monate in die Tasche lohnt sich. Was ein halbes Jahr nicht in der Hand war, fliegt raus oder bekommt einen Platz weiter hinten.
Denk an Mitflieger. Zweite Warnweste, zweite Cap, vielleicht ein zweites Paar Ohrstöpsel. Das kostet kaum Platz.
Häufige Fragen
Reicht ein Handy zur Navigation oder braucht man ein Tablet? Für mich reicht das Handy, gerade in einem engen Cockpit wie der Aquila. Wichtig sind eine feste Halterung und eine verlässliche Stromversorgung. Wer viel IFR fliegt oder Anflugkarten gern groß sieht, wird mit einem Tablet glücklicher.
Braucht man noch ein Kniebrett, wenn man mit SkyDemon loggt? Für VFR-Flüge komme ich gerade gut ohne aus. Für IFR-Clearances empfehle ich es weiterhin, weil sich eine längere Freigabe auf Papier schneller mitschreiben lässt.
Wohin mit den Kabeln? In ein einziges, festes Fach. Das klingt banal, ist aber die Regel, die mir im Flug am meisten Ruhe gebracht hat.
Fazit
Eine Flightbag muss nicht viel enthalten, aber das Richtige an der richtigen Stelle. Bei mir sind das Headset, Handy-Halterung, Kniebrett und Kamera im Hauptfach, Strom, Papiere und Kleinkram in je einem eigenen Seitenfach, und während des Flugs Wasser und Snack griffbereit daneben. Seit ich so packe, suche ich im Cockpit nichts mehr.
Falls du noch nach der passenden Tasche für dein eigenes System suchst, findest du im Guide „Welche Flightbag ist die richtige für dich?“ eine Übersicht nach Flugstil und eine ausführliche Packliste.
Und jetzt bin ich neugierig: Was ist in deiner Flightbag, das andere überraschen würde? Schreib es mir gerne.
